Nach einem einsatztechnisch bislang normalen Jahr, wird der August 2022 in die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Stutensee eingehen. Insgesamt mussten durch die ehrenamtlichen Einsatzkräfte 80 Einsatzstellen, teilweise parallel, abgearbeitet werden. Dabei war beinahe das gesamte Tätigkeitsspektrum der Feuerwehr gefragt, wobei die Bekämpfung von Schadfeuern überwog.

Begonnen hatte der Monat mit fast schon alltäglichen Einsätzen: Ein kleiner Flächenbrand im Stadtteil Spöck sowie einer Technischen Hilfeleistung für eine hilflose Person. Dabei musste die Tür geöffnet und so ein Zugang für den Rettungsdienst geschaffen werden. Einen Tag später folgte das klassische Stichwort „Tierrettung klein“: Eine Katze konnte mit der Drehleiter von einem Baum gerettet werden. Eine weitere Türöffnung im Stadtteil Friedrichstal folgte ein paar Tage später.

Am ersten Sonntag im August schrillten abends die Meldeempfänger der Kameradinnen und Kameraden erneut. Mit dem Stichwort „Rauchentwicklung im oder aus einem Gebäude“ wurden wir in den Stadtteil Blankenloch gerufen. Bereits auf der Anfahrt war eine Rauchsäule zu sehen, welche uns den Weg wies. Durch den mutigen Einsatz von Nachbarn konnten die Bewohner vor unserem Eintreffen gewarnt werden und sich so in Sicherheit bringen. Ein Übergreifen der Flammen konnte durch das schnelle Eingreifen verhindert und der Schaden so auf den brennenden Fahrradunterstand im Hinterhof begrenzt werden.
Bereits parallel zu diesem Brand ging die Abteilung Spöck einer gemeldeten Rauchentwicklung in einem Waldgebiet nach. Hier konnte aber kein Schadfeuer festgestellt werden.

Zwei Tage später am 9. August begann bzw. endete die Nacht für einen kleinen Teil der Abteilung Blankenloch bereits sehr früh. Um 02:31 Uhr hieß es „Unklare Rauchentwicklung im Freien“. Der Anrufer, ein Bewohner eines Hochhauses in der Karlsruher Waldstadt, nahm eine Rauchentwicklung im Hardtwald Richtung Stutensee wahr. Zunächst galt es die Ursache und genaue Örtlichkeit herauszufinden. Hierzu wurde mittels Drehleiter an unterschiedlichen Punkten Ausschau gehalten. In Verbindung, mit der ebenfalls auf der Suche befindlichen Polizei, konnte so herausgefunden werden, dass es im Hardtwald brennt und eine größere Fläche betroffen sein muss.
Spätestens jetzt endete die Nacht für alle Kameradinnen und Kameraden der Feuerwehr Stutensee. Der stellvertretende Kommandant Armin Mommsen löste als Einsatzleiter Stadtalarm für die gesamte Feuerwehr Stutensee aus. Das Stichwort lautete „Waldbrand groß“. Die Brandstelle mitten im Hardtwald breitete sich als Bodenfeuer in mehrere Richtungen aus. Durch das Eingreifen konnte die Fläche schließlich auf ca. 5.000 m² begrenzt werden. Aufgrund des Ausmaßes des Feuers und der Lage der Einsatzstelle mitten im Wald, war dieser Einsatz für Stutensee nicht mehr allein zu bewältigen. Es wurde umfangreich nachalarmiert: Bis in die frühen Abendstunden waren 100 Einsatzkräfte aus den Feuerwehren Stutensee, Eggenstein-Leopoldshafen, Graben-Neudorf, Karlsdorf-Neuthard, Bruchsal und Weingarten im Einsatz. Die Feuerwehr Karlsruhe stellte vier Fahrzeuge in Bereitschaft. Durch die Feuerwehr wurden zwei Versorgungsleitungen für Löschwasser mit je knapp 1km Länge vom Pfinz-Entlastungskanal zur Einsatzstelle aufgebaut. Die Feuerwehr Eggenstein-Leopoldshafen unterstützte den Aufbau der Versorgungsleitung mit dem Abrollbehälter Wasserförderung. Zur Unterstützung bei der Suche nach Glutnestern wurden die Drohnen des ASB Durlach und der Feuerwehr Kronau eingesetzt. Die DRK Bereitschaft Blankenloch versorgte die Einsatzkräfte mit Getränken und einem Imbiss.

Noch während die Löscharbeiten im Wald durch das Großaufgebot an Einsatzkräften aus der unteren Hardt liefen, wurde gegen 12:50 Uhr ein weiterer großer Flächenbrand in Blankenloch gemeldet. Sofort wurden die Einsatzkräfte im noch laufenden Einsatzgeschehen im Wald umgruppiert, um Kräfte herauszulösen und nach Blankenloch in den Bereich zwischen L560 und Eggensteiner Straße zu schicken. Parallel wurden umfangreich weitere Kräfte nachalarmiert. So kam es dazu, dass Kameraden aus Weingarten, Ettlingen, Karlsruhe, Eggenstein-Leopoldshafen, Linkenheim-Hochstetten, Karlsdorf-Neuthard, Bruchsal und Stutensee dieses Feuer löschten. Auch hier waren die Einsatzkräfte mehrere Stunden gebunden. Bereits um 15:09 Uhr meldete sich die Leistelle erneut mit dem Meldebild „Technische Hilfe Auslaufender Kraftstoff“ in Spöck. Auch hier wurden wir, da unsere Kräfte weiterhin an den beiden vorangegangenen Einsatzstellen noch gebunden waren, durch die Feuerwehr Karlsdorf-Neuthard unterstützt.

Gegen 18:00 Uhr waren die Einsatzstellen erfolgreich abgearbeitet, das Material sortiert, die Fahrzeuge wieder einsatzbereit aufgerüstet und der größte Teil des Einsatzpersonals wieder zu Hause. Ein anstrengender Tag ging vermeintlich zu Ende, doch es kam anders. Erneut meldete sich die Leitstelle um 18:34 Uhr über unsere digitalen Meldeempfänger. Über der abgebrannten Stelle des Flächenbrandes am Mittag hatten sich erneut Rauchwolken gebildet, welche erneut Nachlöscharbeiten zur Folge hatten. Weitere Nachlöscharbeiten erfolgten 21:06 Uhr um noch einmal letzte Glutnester abzulöschen. Nach Einsatzende an diesem Tag waren es für manche Kameraden über 20 Stunden geleisteter Einsatzdienst.

Einen Tag später, um 14:13 Uhr zeigte der Meldeempfänger unglaublicher Weise erneut die Meldung „Flächenbrand groß“ an. Wieder war die Lage unklar. Gemeldet war ein Flächenbrand im Bereich der Eggensteiner Straße in Blankenloch. Nach längerer Erkundung stellte sich jedoch heraus, dass es sich um mehrere Brandstellen auf Karlsruher Gemarkung handelte. Ein Löschfahrzeug aus Stutensee wurde aus dem Bereitstellungsraum zur Unterstützung abgerufen. Die übrigen Fahrzeuge aus Stutensee wurden kurze Zeit später nicht mehr benötigt und konnten wieder ihre Feuerwehrhäuser anfahren.

Am darauffolgenden Tag wurden die Abteilungen Spöck und Staffort zur Unterstützung zu einem weiteren großen Flächenbrand nach Karlsdorf-Neuthard alarmiert. Hier galt es die Wohnbebauung zu schützen. Gleichzeitig gingen Einsatzkräfte der Abteilung Blankenloch einer gemeldeten Rauchentwicklung im Blankenlocher Industriegebiet nach. Hier konnte glücklicherweise schnell Entwarnung gegeben werden. Gesehen wurde die Rauchentwicklung des Flächenbrandes in Karlsdorf-Neuthard.

Am 12. August wurde erneut Rauchgeruch in der Eggensteiner Straße in Blankenloch gemeldet. Glücklicherweise stellte sich heraus, dass es sich nur um den Geruch der abgebrannten Fläche handelte. Ein ausgelöster privater Rauchwarnmelder im Stadtteil Friedrichstal lockerte die Flächenbrandserie etwas auf. Es handelte sich um einen Falschalarm ohne weiteren Schaden.

Einige Tage später folgte eine Personenrettung mit der Drehleiter, da ein Patient liegend transportiert werden musste und die Räumlichkeiten und Treppen ein Tragen des Patienten nicht ermöglichten. Am darauffolgenden Sonntag erneut Alarm in Friedrichstal: Die Abteilung Friedrichstal sowie die Drehleiter aus Blankenloch rückten zur Türöffnung für den Rettungsdienst aus.

Am 21. August um 16:16 Uhr sorgte ein gemeldeter Kleinband für Arbeit der Abteilung Spöck. Das Feuer konnte vor dem Übergreifen auf eine trockene Wiese gestoppt werden.

23. August gegen 17:30 Uhr wurde die Abteilung Blankenloch zu einem Brand nach Weingarten gerufen. Ein Wirtschaftsgebäude der Taubenzüchter brannte. Das Feuer konnte ebenfalls rasch unter Kontrolle gebracht und gelöscht werden. Wir unterstützten die Nachlöscharbeiten unter Atemschutz.

Die Abteilungen Friedrichstal und Spöck wurden am 24. August mit wasserführenden Fahrzeugen als Überlandhilfe zu einem großen Flächenbrand bei Karlsdorf-Neuthard angefordert. Auch hier wurde eine Ausbreitung erfolgreich verhindert.

Die am Dienstag, den 25. August gemeldete Rauchentwicklung im Wald zwischen Weingarten und Blankenloch stellte sich bei Nachschau glücklicherweise als Staubentwicklung dar.

Am 26. August kam es in Staffort bei Mäharbeiten zu einem Funkenschlag. Auch hier hieß es wieder Vollalarm für die Feuerwehr Stutensee mit dem Meldebild „Flächenbrand groß“. Alle vier Abteilungen bekämpften die rasche Ausbreitung des Feuers auf circa einem Hektar. Durch das rasche Eingreifen konnte wieder Schlimmeres verhindert werden.

Der 27. August wird nicht nur in die Geschichte der Feuerwehr Stutensee eingehen, sondern auch in die Geschichte der Feuerwehr Weingarten. Noch während eines Gewitters werden die Kameradinnen und Kameraden aus Weingarten zunächst zu einer brennenden Gartenhütte alarmiert. Kurz nach dem Eintreffen und erster eingeleiteter Maßnahmen endete die Nacht für etliche Feuerwehren des Landkreises: Um 0:27 Uhr wird die Alarmstufe auf „Brand 5: Lagerhallenbrand“ erhöht. Die ehemalige Schreinerei Trautwein stand in Flammen. Trotz strömendem Regen breiten sich die Flammen unaufhörlich aus. Schlussendlich sind fast 10.000 m² Hallenfläche abgebrannt. Der Einsatz zieht sich für die Abteilung Blankenloch bis in die frühen Abendstunden. 

Auch in dieser Nacht hatte die Leitstelle kein Erbarmen mit den Stutenseer Einsatzkräften. Bereits um 00:40 Uhr, der Einsatz der Abteilung Blankenloch in Weingarten hatte eben erst richtig begonnen, alarmierte die Leitstelle die restlichen Einsatzkräfte zu einem Dachstuhlbrand nach Blitzeinschlag in Friedrichstal. Unterstützt wurden wir hier durch die Feuerwehr Linkenheim-Hochstetten, da die Blankenlocher Einsatzkräfte noch in Weingarten gebunden waren. Der Einsatz zog sich bis in die frühen Morgenstunden.

Der Starkregen der Gewitterzellen in dieser denkwürdigen Nacht zeigte sein Ergebnis gegen 1:41 Uhr: In Blankenloch und Büchig ist „Land unter“. Zeitweise stand in der Eggensteiner Straße das Wasser 30 cm hoch. Etliche Keller und Unterführungen waren vollgelaufen. Um die Einsatzmenge abarbeiten zu können, wurde die Freiwillige Feuerwehr Karlsruhe Abteilung Hagsfeld mit zwei Fahrzeugen um Unterstützung gebeten. Insgesamt wurden an diesem Tag 53 Einsatzstellen mit Wasser abgearbeitet.

Nach diesem Starkregenereignis stieg die Hoffnung, die Serie mit Vegetationsbränden würde jetzt ein Ende finden. Bereits tags darauf wurden wir eines Besseren belehrt und die Abteilung Spöck zu einem kleinen Flächenbrand alarmiert. Wieder hat eine kleine Fläche trockenes Gras gebrannt.

Am 29. August um 12:07 Uhr zeigten die Meldeempfänger erneut „Flächenbrand groß“ in Spöck. Wieder brannte es im Bereich des Grüngutsammelplatzes. Glücklicherweise konnte das Feuer mit dem Einsatz aller Stutenseer Abteilungen und der Feuerwehr Bruchsal nach 700 m² abgebrannter Fläche gestoppt werden. Ein Übergreifen auf den dort beginnenden Holzstapelplatz wurde auch hier verhindert.

Kaum vom letzten Einsatz zurück, ging es für die Kameraden aus Blankenloch wieder mit der Drehleiter nach Weingarten. Auf dem Gelände des Großbrandes gab es noch vereinzelt Glutnester. Dieser Einsatz musste jedoch wegen akuter Einsturzgefahr eines Silos abgebrochen werden.

So endete der Monat August 2022 mit 80 Einsatzstellen. Insgesamt liegt die Einsatzzahl für die Freiwillige Feuerwehr Stutensee somit Ende August bei 170.

Die Abarbeitung aller Einsätze der Feuerwehr Stutensee werden von ehrenamtlichen Einsatzkräften geleistet. In den Gemeinden des Landkreises Karlsruhe gibt es – falls überhaupt vorhanden – nur wenige hauptamtliche Feuerwehreinsatzkräfte. In Stutensee ist das beispielsweise der Kommandant. Dieser wird von einem Feuerwehrsachbearbeiter sowie zwei Gerätewarten unterstützt, die aufgrund ihrer ehrenamtlichen Ausbildung in der Feuerwehr Teil der Einsatzabteilung sind und somit unter der Woche während der Arbeitszeit jederzeit für den Einsatzdienst zur Verfügung stehen.

Weiterhin werden umfangreiche Tätigkeiten, um Fahrzeuge und Gerätschaften in Stand und bereit zu halten, durch ehrenamtliche Kräfte bewältigt. Diese Instandhaltung kommt zu den Einsätzen, Übungen und Weiterbildungen noch dazu, die allesamt ehrenamtlich in der Freizeit geleistet werden. Das alles dient nur einem Zweck: Bestens auf die vielfältigen Einsatzlagen bzw. den Notfall vorbereitet zu sein.

#Wir für Stutensee!