Gut gerüstet für Wald- und Flächenbrände

In einer gemeinsamen Übung der Abteilungen Friedrichstal und Staffort fand eine Schwerpunktausbildung zum Thema Wasserförderung lange Wegstrecken/Wasserentnahme aus offenem Gewässer und praktisches Üben mit Spezialwerkzeug und Gerätekunde für Waldbrandeinsätze statt.

Die seit ein paar Jahren stark zunehmenden Wald- und Flächenbrände stellen die Feuerwehren in der Hardt vor spezielle Herausforderungen. Bei der Feuerwehr Stutensee sind es neben der zusätzlichen Anschaffung spezieller Waldbrandausrüstung vor allem Übungen. Dabei werden neue Einsatztaktiken durch die Führungskräfte entwickelt und die Mannschaft in der Handhabung der Spezialausrüstung trainiert. Das Fachwissen der Maschinisten zur Wasserförderung wird im Hinblick auf die besonderen Erfordernisse der Wasserversorgung fernab vom städtischen Leitungsnetz in Feld und Wald vertieft. Hierzu fand am Montag, den 3. Juli 2023 eine gemeinsame Übung der Abteilungen Friedrichstal und Staffort statt. Ziel war es die Zusammenarbeit zwischen den Abteilungen zu intensivieren und gemeinsam für die diesjährige Waldbrandsaison gerüstet zu sein.

Grundlagen: Das Einmaleins der Wasserförderung

Bevor es mit den drei Löschfahrzeugen der beiden Abteilungen und dem Gerätewagenl-Logistik, auf dem die Rollwagen mit der speziellen Waldbrandausrüstung verlastet sind, raus zur Praxis auf die Felder ging, stand im Feuerwehrhaus Friedrichstal zunächst ein Theorie-Input zur Wasserförderung auf dem Programm. Dazu ging Armin Mommsen zunächst auf die Grundsätze ein – mit dem ein oder anderen Aha-Erlebnis für die Mannschaft! So kommt es beispielsweise auf 100 Meter B-Schlauch mit einem Förderstrom von 800 Liter/Minute zu einem Druckverlust von ca. 1 bar, wenn die Schlauchleitung einfach verlegt ist.

Wird nun aber stattdessen eine Doppelleitung verlegt, beträgt der Reibungsverlust bei gleichem Förderstrom, der sich aber nun auf zwei Leitungen je zur Hälfte verteilt, insgesamt lediglich 0,3 bar.

Gerade in Waldbrandeinsätzen bei denen eine stabile und leistungsfähige Wasserversorgung aufgebaut werden muss, ist das Wissen um solche physikalisch-technischen Prinzipien ganz entscheidend.

Geschlossene und offene Schaltreihe, gemischte Förderstrecke, deren spezifischen Vor- und Nachteile, die dazugehörigen technischen Randbedingungen – all das schilderte Armin Mommsen mit zahlreichen Bildern und Prinzipskizzen am Whiteboard und brachte diese komplexe Materie dabei sehr anschaulich und kurzweilig herüber. Zum Abschluss wurden die verschiedenen möglichenen Wasserentnahmestellen vorgestellt, wie sie unter anderem auch draußen in Feld und Wald anzutreffen sind: Bäche und Seen als offene Gewässer oder auch landwirtschaftlich genutzte Saugstellen, bei denen durch die verschiedenen Anschlussarten spezielle Adapterstücke zu verwenden sind.

Im praktischen Teil wurde wischen Forsthaus und Schloss Stutensee auf dem angrenzenden Stoppelfeld verschiedene Szenarien geübt. Der Schwerpunkt für die Maschinisten und Führungskräfte lag auf dem Thema Wasserversorgung und für die Mannschaft auf der Handhabung der neuen Waldbrandgerätschaften.

An der landwirtschaftlichen Saugstelle wurde die Wasserentnahme aufgebaut und dabei gekoppelt mit einem weiteren Löschfahrzeug das Prinzip der geschlossenen Schaltreihe praktisch geübt. Um ein offenes Gewässer zu simulieren, wurde ein mobiler Faltbehälter mit einem maximalen Fassungsvermögen von 1500 Litern mit Wasser befüllt und die Wasserentnahme mit A-Saugschläuchen geübt.

Neue Werkzeuge und Ausrüstung für neue Einsatztaktik

Währenddessen demonstrierten Verena Mecke und Philip Köhler die Handhabung der auf den 3 Rollwägen verlasteten Gerätschaften. Neben den mittlerweile zur Standardbeladung der Stutenseer Löschfahrzeuge gehörenden Materialboxen „Waldbrand“ befindet sich auf den Rollwägen des Gerätewagen Logistik passendes zusätzliches Schlauchmaterial sowie verschiedenes Werkzeug. Dieses lässt sich grob in zwei Kategorien einteilen: Löschausrüstung und Equipment zum Schaffen sogenannter „Verteidungslinien“, um damit brennbares Material wie Humus, Wurzelwerk, Unterbewuchs, Äste, Zweige und kleinere Baumstämme zu entfernen.

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Neben dem eigentlichen Löschen stellt nämlich das Schaffen sogenannter „Wundstreifen“ eine wirksame Maßnahme zur Wald- und Flächenbrandvorbeugung oder -bekämpfung dar. Oder können als Barriere gegen die flächige Ausbreitung eines bereits ausgebrochenen Feuers dienen.

In Ländern wie Spanien, aber auch in Nordamerika gehören Wald- und Flächenbrände seit jeher zum Alltag in jedem Sommer. Daher ist es kaum verwunderlich, dass gerade in diesen Ländern brauchbares Equipment für den Waldbrandeinsatz entwickelt wurde. So auch das spanische Gorgui-Tool, auf Deutsch auch Waldbrandrechen genannt: Mit seinen vier verschieden ausgestalteten Kanten aus gehärtetem Stahl, der schmalen Hackenkante für felsigen Untergrund, der breiten Hackenkante für Untergrund mit krautigem Bewuchs, dem Schneidrechen und dem Abziehrechen ähnlich dem amerikanischen McLeod-Tool – bildet das Gorgui-Tool ein echtes Multifunktionswerkzeug.

Mit großer Motivation packten die Übungsteilnehmer an und machten sich daran, auf dem Stoppelfeld einen etwa halbmeterbreiten Wundstreifen anzulegen. Eine ziemlich anstrengende und schweißtreibende Angelegenheit! Es sollte an dieser Stelle erwähnt werden, dass es bei Wald-und Flächenbränden besonders wichtig ist neben der Löschwasserversorgung auch ausreichend Getränke für die Mannschaft sicherzustellen.

Auf dem Rollwagen sind noch weitere spezielle Werkzeuge verlastet, die je nach Dichte der Vegetation zum Einsatz kommen können: So finden sich neben klassischen Spaltäxten und Handsägen auch Macheten unter den eigens für den Waldbrandeinsatz in 2023 neu angeschafften Materialien.

Auch mehrere Exemplare der Wiedehopfhaue, ein traditionelles Werkzeug mit senkrechter und waagrechter Klinge eine Mischung aus Axt und Hacke, für besonders hartnäckiges Wurzelwerk ist an Bord. Ein Prinzip, das sich bewährt hat: Für die Geschichtsinteressierten unter den Lesern sei hier die nahezu baugleiche sogenannte ‚Dolabra‘ der römischen Legionäre erwähnt, die als „Pionieraxt“ vor über 2000 Jahren bereits beim Ausheben der Schanzwerke und Feldlager beim Vordringen in die germanische Wildnis gute Dienste geleistet hatte.

Zu guter Letzt kamen noch die Löschrucksäcke zum Übungs-Einsatz. Mit 20 Litern Fassungsvermögen, einer maximalen Förderleistung von 8 Liter/Minute und ihrer Löschlanzen-Wurfweite von maximal 11 Metern sind diese vor allem für den punktuellen Einsatz zum Ablöschen von Glutnestern, die etwa mit der Wiedehopfhaue freigelegt werden können, geeignet. Durch das ergonomische Tragekonzept bieten sich zudem große Vorteile, wenn weitere Strecken im Gelände zu Fuß zurückgelegt werden müssen. Auch wenn es zunächst nicht viel erscheint – aber 20 Liter reichen für das geschilderte Einsatzspektrum deutlich länger als gedacht!

Mit abziehendem Regenschauer zeigte sich den Übenden zum Abschluss über dem Feld ein wunderschöner Regenbogen. Im Schein der untergehenden Sonne ging es nach diesem gelungenen und erkenntnisreichen Übungsabend wieder zurück zum Feuerwehrhaus. Hier wartete auf die Kameradinnen und Kameraden ein großer Topf Spaghetti Bolognese – und beim gemeinsamen Essen und angeregter Unterhaltung waren sich alle einig: „Wir freuen uns auf den nächsten gemeinsamen Übungsabend und für etwaige Waldbrände sind wir gut gerüstet!“

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Das Übungsfeld mitten in Stutensee. Links der Gerätewagen Logistik „Stutensee 1/74“, rechts das Löschgruppenfahrzeug 20 „Stutensee 2/44-1“.
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