Vermeidung von Hitzestress und Wahrnehmbarkeit wichtigste Auswahl-Kriterien

Die neue Schutzkleidung der Feuerwehr StutenseeIn 2010 beginnt die Feuerwehr Stutensee mit der Beschaffung von Einsatzkleidung der nächsten Generation. Nach einer nunmehr dreijährigen Analysephase zum Thema Schutzkleidung der nächsten Generation hat die Feuerwehr Stutensee gemeinsam mit der Stadtverwaltung den Beschaffungsvorgang gestartet. Der über mehrere Haushaltsjahre laufende Beschaffungsvorgang hat zum Ziel, die gesamte Einsatzmannschaft mit der neuen Schutzkleidung auszurüsten.

Hintergrund der Beschaffung ist, dass die noch z.T. vorhandene Einsatzkleidung 90 aufgrund der deutlichen Gebrauchsspuren aus dem Einsatzdienst genommen werden soll und die Einsatzkleidung der zweiten Generation nach HuPF nun auch schon teilweise zehn Jahren Einsatzdienst absolviert hat und gerade bei den Themen Hitzestress, Wahrnehmbarkeit und technischem Aufbau nicht mehr den Anforderungen an moderne Schutzkleidung entspricht.

Der Beschaffung ist eine intensive Sichtung des Marktes für Schutzkleidung vorausgegangen. Gespräche mit verschiedenen Herstellern und verschiedene Trageversuche im Rauchdurchzündungs-Container vervollständigten die Eindrücke. Zudem konnten verschiedene Informationen bei Berufsfeuerwehren und auch Freiwilligen Feuerwehren eingeholt werden, die das Bild komplettierten. Eine Diplomarbeit zum Thema Materialien und deren technische Eigenschaften halfen, weitere Kriterien zu sammeln.

Im Vordergrund standen folgende Eigenschaften:

  • Ergonomie
  • Mikroklima
  • Schutzwirkung
  • Ausstattung/Nutzen
  • Wahrnehmbarkeit
  • Pflege

Klar war von Anfang an, dass gemäß den Vorgaben des Landes Baden-Württemberg nur Schutzkleidung nach DIN EN 469 neueste Fassung zum tragen kommt und zwar in der Leistungsstufe 2, in einer Farbkombination, die die Wahrnehmbarkeit im Verkehrsraum deutlich erhöht und damit den Standardschutz optimiert.

Der Tageversuch zeigte, dass die neue Kleidung hinsichtlich Passform, Beweglichkeit und Ergonomie äußerst positiv zu beurteilen ist. Positiv zeigen sich die Anordnung und Funktionalität von Taschen und besonders das subjektive Schwitzempfinden als ein wichtiger Punkt. Die grundsätzliche Möglichkeit diese Schutzkleidung quasi zu „customizen“, also im Baukastensystem Taschen, D-Ringe und andere mögliche Anbauteile wahlweise dazu zunehmen, machen diese Kleidung nochmals attraktiver. Im Bereich der Hose ist die Möglichkeit der veränderbaren Bundweite zu nennen, sowie die Polsterung des Kniebereiches und die verbesserten Hosenträger. Die Jacke, die als ¾ lange Jacke gewählt ist, hat eine optimale Überlappung mit der Einsatzhose, was generell sicherstellt, dass man bei unterschiedlichen Bewegungen oder während des Arbeitens stets einen geeigneten Schutz durch die Einsatzkleidung hat.

Die Farbgebung war eine lange diskutierte Frage, die letztlich sinnvoll mit einer Kombination aus Farben mit entsprechender Warnwirkung  gelöst wurde, so wird die Jacke eine Kombination aus rot-gelb sein, und die Hose in bewährtem marine-blau belassen. Diese Farbkombination zeigt grundsätzlich keine größeren Auffälligkeiten bei Verschmutzung, vorausgesetzt, die Kleidung wird regelmäßig und fachgerecht gewaschen bzw. gepflegt. Dieses Problem trifft jedoch jegliche Schutzkleidung, zunächst unabhängig von der Farbe. Nur wird bei dunkler Kleidung die Verschmutzung weniger stark wahrgenommen, was manchmal dazu führt, dass die Schutzkleidung eben nicht die nötige Pflege erhält und somit die Schutzwirkung der Einsatzkleidung nachlässt. Das Farbkonzept der Einsatzjacke erweist sich zudem in Bezug auf die Wärmeabgabe als vorteilhaft, weil die hellen Farben des Anzugs die Hitze- und Sonnenstrahlen stärker reflektieren als dies bei dunkleren Geweben der Fall ist. Auch aus diesem Grund wählt die Feuerwehr Stutensee ein helles Jackendesign. Der Anzug leistet damit einen aktiven Beitrag, um den Hitzestress zu reduzieren.

Der Anbieter der Schutzkleidung, die Consultiv GmbH aus Kernen im Remstal, liefert die Schutzkleidung ‚Fireliner‘ in den Modellen 4000 (Jacke) rot-gelb und 428/03 (Hose) marine-blau aus. Die Schutzkleidung entspricht DIN EN 469, Leistungsstufe 2. Der Materialaufbau besteht aus:

  • Oberstoff:  Nomex XRS
  • Membrane:  ePTFE-Membrane
  • Futter:   Nomex Comfort NT

Der Oberstoff Nomex XRS steht für Crossing-Rip-Stop weil ein eingeschossener Faden quergewebt ist. Dadurch wird eine wesentlich größere Reißfestigkeit erzeugt, indem durch eine veränderte Garnstärke und höhere Garndichte eine höhere Fadenzahl erzeugt wird. Aus diesem Punkten ist eine höhere Wärmeisolation, höhere mechanische Reißfestigkeit, höhere Waschbeständigkeit und allgemein höhere Lebensdauer abgeleitet.

Mit der neuen Produktreihe Nomex® XRS auf der Basis von Nomex® Comfort hat die Consultiv GmbH ein weitaus höher gestecktes Ziel verfolgt: In ein Gewebe aus Nomex® Comfort wird in Kett- und Schussrichtung regelmäßig Verstärkungen aus Fasern mit erhöhtem MetaAramid Anteil eingebaut. Auf diese Weise erreicht man

a) eine wesentliche Verbesserung der mechanischen Festigkeit (Höchstzugkraft bzw. Weiterreißfestigkeit), die wesentlich zur Lebensdauer der Bekleidung und damit zur Wirtschaftlichkeit der Investition ‘Persönliche Schutzausrüstung“ beiträgt. Das Stoppen einer mechanischen Beschädigung am jeweils nächsten Ripstop Faden ist nämlich die eigentliche Funktion des oft fälschlicherweise verwendeten Begriffes Ripstop.

b) einen optimierten Schutz gegen das Aufbrechen und den Hitzeschrumpf eines Gewebes unter Flammeneinwirkung. Auch hier zeichnet sich das Ripstop durch höchste Leistung im Notfall aus, da der Ripstop Faden praktisch keinem Hitzeschrumpf unterliegt und damit auch das Aufbrechen der Außenhaut bei Flashover-Unfällen wirkungsvoll verhindert.
c) eine gute Wärmeableitung und einen schnellen Feuchtigkeitstransport bei schweren körperlichen Arbeiten bzw. bei Einsätzen in warmen Umgebungstemperaturen. Das für den XRS verwendete Gewebe ermöglicht dies durch seinen feinen Faserquerschnitt (ca 1/3 mehr Fasern im Querschnitt als Nomex III, ca. 50% mehr Fasern als P81 oder Basofil).

Besonders das Innenfutter in Netztechnik wirkt als Abstandshaltersystem, wobei die darin ausgebildete Luftschicht als thermische Isolation dient. Hierdurch wird ein extrem dünner Lagenaufbau erreicht, der eher an eine Funktionsjacke erinnert, als an Feuerschutzkleidung und mit einem Gesamtgewicht von 1.550 Gramm (bei Grösse 50/52) erweist sich die Jacke als wahres Leichtgewicht in der Klasse der Feuerwehreinsatzjacken. Dies fördert Ergonomie und Tragekomfort wesentlich. Die verbesserte physiologische Belastung des FA (SB) ermöglicht höhere Einsatzdauer und eine verbesserte Leistungsfähigkeit des FA.

Aufgrund des dünneren Lagenaufbaus muss, um die Isolation zu verbessern die Membrane entsprechend angepasst werden. Dazu setzt dieser Hersteller eine im Hause gefertigte Membrane aus expandiertem Polytetraflourethylen (ePTFE) ein. Dieser Membrantyp ist zwar etwas steifer, als einbautypischer Flameliner, bietet aber wesentlich bessere Isolationswerte bei geringerem Gewicht  Am unteren Ende der Jacke befindet sich ein Reißverschluss, der als Reparatureingriff verwendet werden kann.  

Ein weiterer gewichtiger Punkt für den Schutz des Trägers im Einsatz ist der Wasserdampfdurchgangswiderstand oder auch Ret-Wert genannt. Dieser Wert ist durch die Bekleidungsspezialisten der Universität Stuttgart-Hohenstein eingeführt worden und gibt Aufschluss über den Grad der Atmungsaktivität. Im Allgemeinen gilt ein Ret-Wert bis 20 m2Pa/W als  atmungsaktiv (z.B. Funktionsjacken ähnlich der Marke Jack Wolfskin),  Feuerschutzbekleidung liegt aufgrund des Lagenaufbaus naturgemäß bei einem Ret-Wert von 25-30 m2Pa/W. Die von uns beschaffte Schutzkleidung liegt bei einem Ret-Wert von ca. 21,5 m2Pa/W, was in diesem Bereich und unter den Umständen der gezeigten Vorteile als außerordentlich guter Wert bezeichnet werden darf.

Die Schutzhose ist als Bundhose ausgeführt und beinhaltet ein fest integriertes Hosenträgersystem, das aus elastischem Material besteht, über einen Klettmechanismus auswechselbar ist und entsprechend verstellt werden kann. Eine extrabreite Schlaufe ermöglicht das gute aufhängen im Spind. Am Beinende befindet sich eine Nasssperre auf dem Futter um das Eindringen von Wasser, besonders durch Kappilareffekte zu verhindern. Ein Abriebschutz aus Silikon-Kevlar-Material befindet sich an den inneren Beinenden und an den Knien. Das Knie selbst ist wirksam gepolstert, um bei Arbeiten, die auf den Knien ausgeführt werden, entsprechend geschützt zu sein.

Wie bereits erwähnt erfüllt die Schutzkleidung hinsichtlich Wahrnehmbarkeit die Anforderungen der DGUV gemäß Anhang B der DIN EN 469 vom Oktober 2008. Es muss somit keine zusätzliche Warnweste bei Arbeiten im ungesicherten verkehrsraum getragen werden.

Die aufgezeigten Vorteile der Kombination aus Jacke und Hose wie:

  • Vermeidung von Hitzestress
  • Wasserdampfdurchlässigkeit
  • Wahrnehmbarkeit
  • Gewicht der Jacke
  • Isolationswirkung
  • Mechanische Festigkeit
  • Ergonomie
  • Pflege

im Zusammenhang mit den angefragten Angeboten hat uns dazu veranlasst, dass wir uns nach einer Ausschreibung für die Firma Consultiv GmbH aus Kernen im Remstal entschieden haben. Wir sind der festen Überzeugung, mit diesem Produkt ein mehr an Sicherheit für die Zukunft und für unsere FA (SB) erreichen zu können.

Für weitere Fragen, könnt ihr euch gerne an uns wenden, ihr erreicht uns wie immer unter klaus.fehrer@feuerwehr-stutensee.de oder tobias.friese@feuerwehr-stutensee.de oder sprecht uns doch einfach an.